Lösungsorientierter Ansatz im Coaching: Volle Kraft nach vorn
Der lösungsorientierte Ansatz ist eine der drei tragenden Säulen unseres Coaching-Verständnisses. Er stellt eine schlichte, aber weitreichende Frage: Was ist im Coaching hilfreicher – die ausführliche Analyse des Problems oder die Beschäftigung mit dem gewünschten Zielzustand? Die Antwort dieses Ansatzes ist klar: Nicht das Problem ist interessant, sondern die Lösung.
Warum die Problemgeschichte oft nicht weiterhilft
Um ein Problem zu lösen, hilft es meist wenig, nach dessen Ursache zu forschen. Selbst wenn der Grund nach langen Gesprächen endlich herausgearbeitet ist, fehlt immer noch die Lösung. Und abgesehen davon: Wer weiß schon mit Sicherheit, was die wirkliche Ursache eines Problems ist? In komplexen sozialen Systemen – und Business-Coaching bewegt sich fast immer in solchen Systemen – lassen sich Ursache und Wirkung selten sauber trennen.
Der lösungsorientierte Ansatz zieht daraus eine klare Konsequenz: Er verzichtet bewusst darauf, die Problemgeschichte des Klienten langwierig zu analysieren. Stattdessen richtet er das Coaching-Gespräch auf das Positive, auf das Ziel und auf die Zukunft.
Die Wurzeln: Steve de Shazer und Insoo Kim Berg
Der lösungsorientierte Ansatz geht auf die Arbeit von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg zurück. Am Brief Family Therapy Center in Milwaukee entwickelten sie in den 1980er Jahren die lösungsfokussierte Kurzzeittherapie, deren Prinzipien heute weit über den therapeutischen Kontext hinaus wirken – insbesondere in modernen Coaching-Ansätzen.
Der Leitgedanke lautet: „Problem-talk creates problems, solution-talk creates solutions.“ Wenn Coach und Klient viel Zeit damit verbringen, das Problem zu beschreiben, wird das Problem größer. Wenn sie stattdessen die Zeit nutzen, um zu klären, wie ein gewünschter Zustand aussieht und was in der Vergangenheit bereits funktioniert hat, entsteht Bewegung.
Die drei Kernstrategien des lösungsorientierten Coachings
Aus der Arbeit von de Shazer und Berg lassen sich drei Grundstrategien ableiten, die auch in unserer Ausbildung eine tragende Rolle spielen:
- Finden Sie heraus, was der Klient will. Ein klares, konkretes und positiv formuliertes Zielbild ist die Voraussetzung dafür, dass Bewegung möglich wird.
- Machen Sie mehr von dem, was funktioniert. Ausnahmen vom Problem sind ein zentraler Hinweis: Wenn das Problem nicht ständig auftritt, gibt es bereits Ressourcen und Verhaltensweisen, die tragen.
- Wenn etwas nicht funktioniert, tun Sie etwas anderes. Muster durchbrechen heißt: nicht immer mehr vom Gleichen versuchen, sondern das Gegenteil oder etwas ganz Neues probieren.
Werkzeuge aus dem lösungsorientierten Ansatz
In der Coaching Ausbildung lernen Sie eine Reihe konkreter Werkzeuge, die aus dem lösungsorientierten Ansatz stammen:
- Die Wunderfrage – eine bewährte Technik, mit der Klienten ein Bild ihres Lösungszustands entwickeln, ohne dass die Frage nach dem Wie sie sofort blockiert.
- Skalenfragen – eine einfache und wirksame Methode, um subjektive Einschätzungen sichtbar und über Zeit vergleichbar zu machen.
- Ausnahmen erfragen – gezielte Fragen nach Situationen, in denen das Problem nicht auftritt, um Ressourcen und funktionierende Muster zu identifizieren.
- Komplimente und Aufgaben – am Ende einer Sitzung anerkennen, was der Klient leistet, und ihm einen kleinen, gut passenden nächsten Schritt mitgeben.
Die Haltung hinter der Methode
Der lösungsorientierte Ansatz ist mehr als ein Set von Techniken. Er ist Ausdruck einer klaren Grundhaltung: Der Klient ist hinreichend kompetent, um mit Ihrer Unterstützung die Lösung für sein Anliegen selbst zu finden. Als Coach sind Sie Experte für den Prozess – die Verantwortung für die inhaltliche Lösung bleibt beim Klienten. Diese Haltung schützt Sie vor der Versuchung, in die Beraterrolle zu wechseln und Ratschläge zu geben, die selten wirklich passen.
Lösungsorientiert im Zusammenspiel mit den anderen Ansätzen
Der lösungsorientierte Ansatz beschreibt die Richtung des Coachings – nach vorne. Er wird umso wirksamer, wenn er ergänzt wird durch den systemischen Ansatz, der den Kontext des Anliegens sichtbar macht, und durch den konstruktivistischen Ansatz, der die Grundhaltung zur Wirklichkeit klärt. Erst zusammen ergeben die drei Ansätze das methodische Fundament, auf dem professionelles Business Coaching aufbaut.
Lösungsorientiertes Coaching in der Ausbildung erlernen
In unserer Coaching Ausbildung in München ist der lösungsorientierte Ansatz von Anfang an präsent. Bereits im Grundlagenseminar arbeiten Sie mit ersten lösungsorientierten Fragetechniken. Die Wunderfrage und die vollständige Methodik des lösungsfokussierten Coachings – von Steps to Solution bis zu den Beziehungstypen nach de Shazer – sind zentrale Bausteine der Kernausbildung.
Einen ersten Eindruck von unserem Verständnis von Coaching erhalten Sie in unseren Infoabenden zur Coaching Ausbildung.
Häufige Fragen zum lösungsorientierten Coaching-Ansatz
Ignoriert lösungsorientiertes Coaching das Problem des Klienten?
Nein. Das Problem des Klienten wird ernst genommen und angemessen anerkannt. Der lösungsorientierte Ansatz verzichtet aber bewusst darauf, die Problemgeschichte über längere Zeit zu analysieren, weil daraus in der Regel keine Lösung entsteht. Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit nach kurzer Problemklärung auf das gewünschte Zielbild und auf die Ressourcen, die dem Klienten zur Verfügung stehen.
Wie funktioniert die Wunderfrage konkret?
Die Wunderfrage lädt den Klienten ein, sich vorzustellen, dass sein Problem über Nacht auf wundersame Weise verschwunden wäre – ohne dass er es merken würde. Die Frage lautet dann: Woran würden Sie am nächsten Morgen als Erstes bemerken, dass das Wunder geschehen ist? Der Klient beschreibt in Details, wie sich sein Leben ohne das Problem anfühlt und verhält. Aus dieser konkreten Zukunftsvision ergeben sich fast immer erste Schritte, die im Hier und Jetzt möglich sind.
Wann ist der lösungsorientierte Ansatz weniger geeignet?
Wenn ein Klient starke Emotionen erlebt und zunächst begleitet werden muss, ist der lösungsorientierte Ansatz nicht der erste Schritt. Auch bei tief liegenden Werte- oder Sinnfragen greift die schnelle Lösungsorientierung oft zu kurz. In solchen Fällen sind zunächst andere Zugänge sinnvoller – etwa das Vertiefen des Erlebens oder die Arbeit an inneren Anteilen. Der lösungsorientierte Ansatz kommt dann später, wenn eine Bewegungsrichtung sichtbar wird.
Was unterscheidet einen „Kunden“ von einem „Klagenden“ nach de Shazer?
Steve de Shazer unterscheidet drei Beziehungstypen im Coaching. Der Kunde hat ein klares Anliegen und ist bereit, selbst zu handeln – hier sind Handlungsaufgaben passend. Der Klagende erwartet die Veränderung von anderen und erlebt sich in der Opferrolle – hier helfen Beobachtungsaufgaben. Der Besucher hat kein eigenes Anliegen und ist meist auf Wunsch anderer da. Die Unterscheidung hilft, Aufgaben und Interventionen an die tatsächliche Motivationslage des Klienten anzupassen.
Führt die Fokussierung auf Lösungen zu oberflächlichen Ergebnissen?
Nein, wenn der Ansatz professionell angewendet wird. Lösungsorientiert zu arbeiten heißt nicht, schnell zu einer Lösung zu springen. Es heißt, den Klienten dabei zu unterstützen, seine eigene Lösung zu entwickeln – die zu seinem Leben und seinen Werten passt. Diese Lösungen sind oft nachhaltiger als solche, die aus langen Problemanalysen entstehen, weil sie vom Klienten selbst getragen werden und an seine bereits vorhandenen Ressourcen anschließen.
Alle Module der Coaching Ausbildung im Überblick
Stufe 1: 3 Tage
Im Grundlagenseminar lernen Sie innerhalb von drei Tagen die Grundzüge des Systemischen Business Coachings kennen und üben erste Coaching-Techniken.
Ihr Nutzen:
Nach Abschluss des Grundlagenseminares können Sie bereits erste Coaching-Sitzungen strukturiert durchführen. Sie haben außerdem nochmals die Gelegenheit, zu prüfen, in wie weit die Ausbildung Ihren Zielen und Vorstellungen entspricht.
Stufe 2: 11 Tage
Die Kernausbildung macht Sie mit den häufigsten Themen vertraut, die Ihnen als Business Coach im Berufsalltag begegnen werden. Außerdem erlernen Sie die zentralen Techniken für ein erfolgreiches Business Coaching. Die Kernausbildung ist untergliedert in drei Bausteine mit jeweils drei Tagen Dauer; hinzu kommen zwei Tage Praxis-Supervision.
Ihr Nutzen:
Nach Abschluss der Kernausbildung beherrschen Sie die wichtigsten Methoden und Techniken für gängige Themen im Business-Coaching.
Stufe 3: 11 Tage
Im Zertifizierungskurs trainieren und vertiefen Sie das Durchführen und Steuern eines Coaching-Prozesses über alle Phasen hinweg. Außerdem lernen Sie, anhand welcher Kriterien Coaching bewertet wird. Damit sind Sie bereits auf der Zielgeraden auf Ihrem Weg zum professionellen Business Coach.
Ihr Nutzen:
Nach Abschluss des Zertifizierungskurses sind Sie bestens vorbereitet für anspruchsvolle Coaching-Aufgaben. Dank zahlreicher Praxiseinheiten verfügen Sie bereits über beachtliche eigene Coaching-Erfahrung. Sie kennen Ihre besonderen Stärken als Business Coach und sind bestens vorbereitet für Ihre Zertifizierung.
Stufe 4: 1 Tag
Ihre Ausbildung schließt mit Ihrer Zertifizierung zum Systemischen Business Coach (SBC)®. Voraussetzung ist das erfolgreiche Bestehen einer praktischen Prüfung, die Sie an diesem Tag ablegen.
Die Zertifizierung findet etwa zehn bis zwölf Wochen nach Ende des Z3 statt. Ihre praktische Prüfung besteht aus einem 40 Minuten dauernden Live-Coaching vor der Prüfungskommission. Zeitgleich mit Ihrer Abschlussprüfung haben Sie die Möglichkeit, das Zertifikat des Deutschen Verbands für Coaching und Training (dvct) zu erwerben.
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Heike Vetter & Dunja Bezuk
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